Jüdisches Viertel

Aktualisiert am 14. Februar 2021 von Heike
Jüdisches Viertel in Prague

Das jüdische Viertel von Prag entstand im 13.Jahrhundert.

Die Judenstadt wurde als separates Ghetto für Juden entwickelt, nur dort durften sie wohnen, arbeiten und ihre Toten begraben.

Nachdem ihnen 1848 die Bürgerrechte verliehen wurden, durften sich die Juden auch in anderen Stadtteilen von Prag niederlassen.

Heute ist das jüdische Viertel eine der teuersten und exklusivsten Wohngegenden von Prag.

Was kann ich im Jüdischen Viertel machen?

Was kann ich im Jüdischen Viertel machen

Das jüdische Viertel liegt im Norden der Prager Altstadt.

Heute können in dem ehemaligen Ghetto bedeutende Zeugnisse des jüdischen Lebens in der Stadt Prag besichtigt werden.

Die erhaltenen religiösen Gebäude und Friedhofsanlagen sind Teil des Jüdischen Museums.

Bestandteile des Jüdischen Museum

1.Jüdischer Friedhof

Jüdischer Friedhof in Prague

Der alte jüdische Friedhof ist einer der bedeutendsten jüdischen Friedhöfe in Europa. Das Grundstück ist von einer hohen Mauer umgeben und liegt zwischen der Pinkas- und der Klausen-Synagoge.

Auf einer Fläche von nur 10.000 Quadratmetern wurden 12.000 Grabsteine gezählt, Schätzungen zufolge liegen hier die Gebeine von über 100.000 Menschen begraben. Da der Friedhof in dem Ghetto nicht erweitert werden konnte, wurden die Toten in bis zum Teil 12 Schichten übereinander bestattet, was ihm sein hügeliges Aussehen verleiht.

Das älteste Grab stammt aus dem Jahr 1439, die letzte Beerdigung fand 1787 statt.
Auch der berühmte Rabbiner und Gelehrte Judah Löw, dem die Erschaffung eines Golems nachgesagt wird, liegt hier begraben.

2. Klausen Synagoge

Klausen Synagoge in Prague

Die im frühbarocken Stil errichtete Synagoge, die auf das Jahr 1694 zurückdatiert, liegt unmittelbar bei dem jüdischen Friedhof.

Sie war die größte und zweitwichtigste Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Prag. Heute beherbergt sie eine Dauerausstellung des jüdischen Museums, die jüdischen Traditionen und Bräuchen gewidmet ist.

3. Pinkas Synagoge

Pinkas Synagoge in Prague

Die Pinkas Synagoge stammt aus dem 16. Jahrhundert und liegt unmittelbar bei dem jüdischen Friedhof. Sie ist die zweitälteste Synagoge des Prager Judenviertels. 1959 wurde sie in eine Gedenkstätte an die jüdischen Opfer aus Böhmen und Mähren umgewandelt, circa 80.000 Namen sind an ihren Wänden verewigt.

Im ersten Stock sind Kinderzeichnungen aus dem Konzentrationslager Theresienstadt ausgestellt.

4. Spanische Synagoge

Spanische Synagoge in Prague

Die Spanische Synagoge wurde im maurischen Stil von 1867 – 1868 an der Stelle erbaut, an der einst die älteste Synagoge, auch „Alte Schule“ genannt, stand. Eine Gruppe aus Spanien vertriebener Juden fand hier Asyl, daher bekam die Synagoge ihren Namen.

Sie hat eine imposante Kuppel und extravagante Buntglasfenster. Bekannt ist sie für ihre gute Akustik, es finden regelmäßig Konzerte statt.
Die Dauerausstellung ist der neueren Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren gewidmet.

5. Robert-Guttmann-Galerie im ehemaligen jüdischen Krankenhaus

Neben der Spanischen Synagoge in dem Gebäude des ehemaligen jüdischen Krankenhauses, das 1935 erbaut wurde, liegt die Robert-Guttmann-Galerie. Sie wurde 2001 eröffnet und dient thematischen Sonderausstellungen.

Auf 80 Quadratmetern werden schwerpunktmäßig Arbeiten tschechischer jüdischer Künstler des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gezeigt.

6. Maisel Synagoge

Maisel Synagoge in Prague

Die Maisel Synagoge wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Heute zeigt die Dauerausstellung die jüdische Geschichte Böhmens vom 10. bis zum 18. Jahrhunderts.

Behandelt wird unter anderen die Blütezeit des Prager Judenviertels, jüdische Zünfte sowie die Geschichte jüdischer Gelehrter wie beispielsweise die des Gelehrten Rabbi Löw, dem die dem die Erschaffung eines Golems nachgesagt wird.

7. Zeremonienhalle

Zeremonienhalle in Prague

Das in den Jahren 1911 – 1912 im Stil der Neoromantik erbaute Gebäude der ehemaligen Zeremonienhalle und Leichenhalle liegt auf dem alten jüdischen Friedhof.

Das kleine, düster wirkende Gebäude wurde für die Prager Beerdigungsbruderschaft erbaut, die die Aufgabe der heutigen Bestatter hatte. Heute zeigt die Ausstellung Jüdische Traditionen und Bäuche bei Krankheit und Tod.

Alt-Neu Synagoge

Alt-Neu Synagoge in Prague

Die Alt Neu Synagoge heißt auf Tschechisch Staronová Synagoga liegt in unmittelbarer Nähe zu der berühmten Parizska Strasse.
Sie wurde um 1270 errichtet und ist die älteste erhaltene Synagoge in Europa.

Noch heute wird sie für Gottesdienste genutzt, ist jedoch der Öffentlichkeit zugänglich und kann von Innen besichtigt werden.

Es gibt verschiedene Mythen bezüglich ihres Namens, eine davon besagt, dass man beim ihrem Bau auf Überreste einer noch älteren Synagoge gestoßen sei, auf deren Fundament die neue Synagoge errichtet wurde.

Auf ihrem Dachboden sollen sich die staubigen Überreste eines Golems befinden, den Rabbi Löw vor 400 Jahren aus Staub und Erde geschaffen hat.

Hohe Synagoge

Hohe Synagoge in Prague

Die Hohe Synagoge liegt direkt gegenüber der Alt Neu Synagoge im ersten Stockwerk des Jüdischen Rathauses, weshalb sie auch oft als „Rathaus-Synagoge“ bezeichnet wird. Ihr Inneres steht im Gegensatz zu der zeitgenössischen Fassadengestaltung und sticht durch sein original erhaltenes stuckgeschmücktes Lünetten-Gewölbe hervor.

Erbaut 1568, wurde die Hohe Synagoge zwischenzeitlich als Ausstellungsraum des jüdischen Museums genutzt. Heute dient sie als Gebetshaus für das Rabbinat und wird für feierliche Anlässe genutzt.

Sie ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Jerusalem Synagoge

Jerusalem Synagoge in Prague

Eine weitere bedeutende Synagoge in Prag ist die Jerusalem Synagoge, die allerdings nicht in dem jüdischen Viertel liegt, sondern in der Prager Neustadt. Vom jüdischen Viertel aus ist die Jerusalemsynagoge innerhalb von 20 Minuten zu Fuß zu erreichen.

Sie ist die jüngste und zugleich auch größte Synagoge in Prag. Ihre farbige Fassade, die an maurische Denkmäler in Spanien erinnert, ist ebenso auffallend wie die Innenausstattung im Wiener Jugendstil.

Die Synagoge ist der Öffentlichkeit zugänglich und kann von Innen besichtigt werden.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Weitere Sehenswürdigkeiten in Prague
  • Kunstgewerbemuseum: Im westlichen Teil des Josefviertels liegt das Kunstgewerbemuseum, das in den Jahren 1897 bis 1901 errichtet wurde. Das Gebäude ist im Stil der Neorenaissance gebaut für sich selbst ein Kunstwerk. Während im Erdgeschoss ständig wechselnde Sonderausstellungen gezeigt werden, zeigt die Ausstellung im Obergeschoss europäisches und tschechisches Kunsthandwerk aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.
  • Franz Kafka Geburtshaus: Wie im 19. Jahrhundert noch üblich, fand die Geburt von Franz Kafka am 3. Juli 1883 zu Hause statt. Das Geburtshaus jedoch fiel 1897 der Sanierung des jüdischen Viertels zum Opfer, heute erinnert neben dem Namen des Platzes nur noch eine konkav gewölbte Gedenktafel mit dem plastisch herausgehobenen Portrait von Kafka an seinen Geburtsort. Sie stammt aus dem Jahr 1965 und ist ein Werk des tschechischen Bildhauers Karel Hladik.
  • Archiv in der Smíchover Synagoge: Die Smíchover Synagoge ist die einzige funktionalistische Synagoge in Prag. Ursprünglich im Stil der Romantik 1863 fertiggestellt, wurde die Synagoge nach nur 3 Jahren so stark beschädigt, dass sie nicht mehr benutzt werden konnte. 1931 wurde sie in ihrem heutigen Stil rekonstruiert. Heute wird sie vom Jüdischen Museum als Archiv genutzt.

Eintritt, Tickets und Führungen

Eintritt, Tickets und Führungen
  • Tickets: Das Ticket für das Jüdische Viertel gilt für den Friedhof und alle Synagogen bis auf die Alt-Neu Synagoge. Dafür ist ein eigenes vor Ort erhältliches Ticket notwendig. Die Tickets für das Jüdische Viertel können am Eingang der Klausova Synagoge gekauft werden.
  • Führungen: Touren durch das Jüdische Viertel sind mehrmals täglich möglich. Sie zeigen entweder das Äüßere der Synagogen zusammen mit ihrer Geschichte oder auch das Innere.
  • Eintritt: Für den Eintritt in die Synagogen und den Friedhof ist keine Sicherheitsprüfung oder Voranmeldung wie in anderen europäischen Städten notwendig.

Wie komme ich zum Jüdischen Viertel?

Wie komme ich zum Jüdischen Viertel

Das Jüdische Viertel befindet sich im Zentrum von Prag. Es ist zu Fuß vom Altstädter Ring mit dem Rathaus in etwa 750 Meter entfernt und innerhalb von 10 Minuten zu erreichen.

Die nächstgelegene U-Bahnhaltestelle ist Staroměstská, zu erreichen mit der U-Bahnlinie A, Grüne Linie.

Geschichte des Viertel Josefov (Josefstadt)

Geschichte des Viertel Josefov (Josefstadt)

Die Judenstadt wurde als separates Ghetto für Juden entwickelt. Es gab weder Kanalisation noch sanitäre Einrichtungen. Nur dort durfte die jüdische Bevölkerung wohnen und arbeiten. Auch ihre Toten musste sie hier begraben.

Nachdem ihnen 1848 die Bürgerrechte verliehen wurden, durften sich die Juden auch in anderen Stadtteilen niederlassen. Die meisten wohlhabenden Juden zogen daraufhin aus dem Ghetto weg und die Wohnhäuser verfielen. Zwischen 1893 und 1913 wurden viele aufgrund der zunehmenden Verslumung abgerissen.

Ende des 19. Jahrhunderts begann nach dem Vorbild von Paris der Bau neuer Jugendstil-Gebäude und die Pariser Strasse, heute die luxuriöseste Einkaufsstraße von Prag, wurde die zentrale Achse des Viertels.

Die erhaltenen religiösen Gebäude und der Friedhof sind heute dem jüdischen Museum zugeordnet, das mit ca. 140.000 Artefakten heute eines der größten jüdischen Museen der Welt ist.

Zu Beginn des 18. Jh. war ein Viertel der Prager Bevölkerung Juden. Das Toleranzedikt von Kaiser Joseph II. garantierte die Religionsfreiheit, das Viertel wurde nach ihm im Jahr 1850 in Josefstadt umbenannt.

Reinhard Heydrich

Reinhard Heydrich, ein gefürchteter SS-Führer, der mit der „Endlösung“ des Judenproblems beauftragt war, zerstörte das jüdische Viertel in Prag nicht, da er plante, es in ein „Museum einer untergegangenen Rasse“ zu verwandeln.
Reinhard Heydrich starb an den Folgen eines Attentats, das tschechische Widerstandskämpfer am 27. Mai 1942 auf ihn ausübten am 04.Juni 1942.

Umwandlung in ein Museum

Das 1906 gegründete Museum wurde 1939 mit der deutschen Besetzung von Böhmen und Mähren geschlossen. Unerwartet wurde 1942 die Gründung eines Jüdischen Zentralmuseums von dem Eichmann-Referat forciert. Es sollte der Sammlung beschlagnahmter, sakraler jüdischer Gegenstände dienen. Im Rahmen der Gründung des Museums wurden sogar Synagogen restauriert und in das Museum eingegliedert.

Die jüdische Bevölkerung hatte die Hoffnung, ihre religiösen Gegenstände vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten bewahren zu können.
Die Motive der Nationalsozialisten sind unklar, da die meisten Unterlagen vor dem Abzug aus Prag von der SS vernichtet wurden. Studien legen jedoch nahe, dass das Museum zur internen Schulung von SD-Kadern eingerichtet worden war.

Kontakt

  • Adresse: U Staré školy 141/1, 110 00 Staré Město, Prague
  • Öffentlich: U-Bahnlinie A, Grüne Linie, Haltestelle Staroměstská
  • Öffnungszeiten: Die genauen Öffnungszeiten entnehmen Sie bitte der Webseite des Jüdischen Museums.

Verwandte Beiträge

>